kurz erklärt

Vibe Coding

In Zukunft werden wir nur noch eine Programmiersprache kennen: unsere natürliche Muttersprache. Vibe Coding zeigt den Weg dorthin — eine Arbeitsweise, bei der man in der eigenen Sprache beschreibt was entstehen soll, und KI es baut. Andrej Karpathy hat den Begriff 2025 geprägt, Collins Dictionary ihn zum Wort des Jahres erklärt.

Der Begriff stammt von Andrej Karpathy — KI-Forscher, OpenAI-Mitgründer, ehemaliger Tesla-KI-Chef — der ihn im Februar 2025 prägte. Die Idee: Statt Programmiersprachen zu lernen und Code zeilenweise zu schreiben, beschreibt man in der eigenen Muttersprache, was entstehen soll. Das KI-System — Cursor, GitHub Copilot, Claude Code — übersetzt diese Beschreibung in funktionierenden Code. Collins English Dictionary kürte Vibe Coding zum Wort des Jahres 2025.

Vibe Coding demokratisiert Softwareentwicklung: Wer keine Programmierkenntnisse hat, kann in Stunden einen Prototypen bauen, wofür früher Wochen und ein Entwickler-Team gebraucht wurden. Gleichzeitig zeigen Studien ein Paradox: Erfahrene Entwickler sind mit KI-Tools 19% langsamer als ohne — obwohl sie 24% schneller zu sein glaubten. KI-generierter Code weist außerdem 2,7-mal mehr Sicherheitslücken auf als manuell geschriebener. Vibe Coding öffnet Türen — und schafft neue Risiken.

Wenn Programmieren zur Alltagskompetenz wird, verschiebt sich die Innovationsdynamik: Nicht-Techniker können eigene Werkzeuge bauen, Prozesse automatisieren, Ideen direkt prototypen — ohne Entwickler als Flaschenhals. Für Innovationsökosysteme bedeutet das niedrigere Einstiegshürden und kürzere Feedback-Schleifen. Die entscheidende neue Kompetenz ist nicht Syntaxkenntnis, sondern präzise zu beschreiben was entstehen soll — Prompt Engineering als neue Grundkompetenz.

Vibe Coding ist eng mit Agentic AI verknüpft — und bereits im Wandel: Karpathy selbst hat den Begriff weiterentwickelt. Was 2025 noch „Vibe Coding“ hieß, nennt er 2026 „Agentic Engineering“: KI-Agenten übernehmen immer größere Teile des Entwicklungsprozesses, der Mensch wird zum Auftraggeber und Qualitätsprüfer. Plausibles Fabulieren ist dabei ein konkretes Risiko — KI-generierter Code kann überzeugend aussehen und trotzdem fehlerhaft sein.

Die Trennlinie zwischen „kann coden“ und „kann nicht coden“ verliert an Bedeutung — relevanter wird: Wer kann präzise Anforderungen formulieren, Ergebnisse einschätzen, Qualität beurteilen? Vibe Coding ist ein Übergangsbegriff: Er beschreibt den Moment, in dem KI-unterstützte Entwicklung zur Norm wurde. Was danach kommt — autonome Agenten, die selbst testen, iterieren und deployen — ist bereits im Entstehen.


Agentic AI · Large Language Model (LLM) · Nachdenkende KI (Reasoning Model) · Plausibles Fabulieren (KI) · Prompt Engineering