kurz erklärt
Rekursive Selbstverbesserung (RSI)
Rückkopplung, in der KI ihre eigenen Nachfolger mitbaut – 60 Jahre lang Gedankenexperiment, seit 2026 ein realer Grund, die Entwicklung zu bremsen.
1965 beschreibt der britische Mathematiker Irving John Good, was geschieht, wenn eine Maschine Maschinen entwerfen kann: Sie entwirft bessere, und die entwerfen wiederum noch bessere. Good nannte das eine Intelligenzexplosion und hielt die erste solche Maschine für die letzte Erfindung, die der Mensch je machen müsse.
Der Kern liegt in der Rückkopplung. Ein System, das sich einmal verbessert, hat noch nichts Besonderes getan. Aber sehr wohl eines, bei dem jeder Schritt den nächsten beschleunigt.
In dem Begriff stecken zwei Formen, die gerne vermischt werden. Die operative Form ist gut dokumentiert: Bei Anthropic stammten im Mai 2026 über 80 Prozent des in die Produktion übernommenen Codes von Claude. Gut ein Jahr zuvor war der Anteil noch einstellig. OpenAI vermerkte im Februar 2026, frühe Fassungen von GPT-5.3-Codex seien an ihrer eigenen Entstehung beteiligt gewesen.
Modelle schreiben Trainingscode, kuratieren Daten und suchen Architekturen ab, während der Mensch die Entscheidungen trifft. Die autonome Form meint etwas anderes, eine Rückkopplung, die ohne den Menschen weiterläuft. Belegt ist dieser Takeoff bis heute nicht.
Rekursive Selbstverbesserung meint den Mechanismus, die technologische Singularität den Zeitpunkt, an dem er durchschlägt, und Artificial General Intelligence die Fähigkeitsschwelle direkt davor. Die drei werden oft in einem Atemzug genannt, aber bezeichnen verschiedene Dinge.
Dass beide Formen denselben Namen tragen, verwässert die Debatte. Dario Amodei hat am 12. September 2026 vorgeschlagen, das Tempo rekursiver Selbstverbesserung völkerrechtlich zu deckeln, und beruft sich dabei auf die SALT-Verträge; Altman und Musk stimmten binnen eines Tages zu. Seine Zahlen belegen die operative Form, seine Sorge gilt der autonomen und den Sprung dazwischen belegt bisher niemand. Beachtlich ist dabei weniger, wer am Ende recht behält, als das Tempo, mit dem ein Gedanke von 1965 plötzlich relevant wird.