kurz erklärt

Industrial Internet

US-amerikanisches Gegenstück zu Industrie 4.0: breiter als die Fabrik gedacht, mit Schwerpunkt auf Daten und Software statt auf Maschinen.

Zwei Namen, zwei Herkünfte. General Electric prägte den Begriff 2012 und gründete zwei Jahre später mit AT&T, Cisco, IBM und Intel das Industrial Internet Consortium. Industrie 4.0 ist älter und deutscher Herkunft: 2011 als Regierungsinitiative auf der Hannover Messe ausgerufen, getragen von der Plattform Industrie 4.0. Beide beschreiben vernetzte industrielle Anlagen, die Daten erzeugen und auswerten — deckungsgleich sind sie deshalb nicht.

Der Unterschied liegt im Zuschnitt. Industrie 4.0 zielt auf die Fertigung: Smart Factory, cyberphysische Systeme, die Organisation der Wertschöpfungskette. Das Industrial Internet fasst weiter und meint Industrie insgesamt — Energie, Verkehr, Luftfahrt, Medizintechnik. Und es gewichtet Software, Daten und darauf aufbauende Dienstleistungen mindestens so stark wie die Maschine. Aus ihm ist der Begriff Industrial Internet of Things hervorgegangen.

Die Gleichsetzung als „internationale Bezeichnung für Industrie 4.0″ ist deshalb eine bequeme Vereinfachung. Sie stimmt in der Stoßrichtung und verfehlt den Umfang.

In der Praxis sind die Lager längst zusammengewachsen, und viele Unternehmen benutzen beide Wörter für dasselbe Vorhaben. An einer Stelle lohnt die Unterscheidung trotzdem: Die Wortwahl verrät, an welchen Gremien und Referenzarchitekturen sich jemand orientiert. In internationalen Projekten entscheidet das öfter über die Anschlussfähigkeit als die Definition selbst.