kurz erklärt
Skillification
Der Reflex, jede wiederkehrende Tätigkeit als abrufbaren Skill anzulegen, bis Skills unbewusst zur grundlegenden Denkeinheit werden.
Der Begriff kommt aus Personalentwicklung und Hochschulbildung. Dort meint er die Übersetzung von Lehrplänen, Zeugnissen und Stellenausschreibungen in eine gemeinsame Skill-Sprache, damit Bildungsträger und Arbeitgeber voneinander wissen, wovon sie reden — Welsh und Ruda haben das 2024 für die Anrechnung von Vorleistungen beschrieben. Das war Verwaltungsarbeit, von außen an Menschen angelegt. Verschoben hat sich, wer sie tut: Wer täglich mit KI arbeitet, legt seine Skills selbst an, unaufgefordert und in wachsender Zahl.
Die Einheit kommt aus dem Werkzeug. Ein Sprachmodell zerlegt Text in Token — weder Wort noch Silbe, sondern eine Recheneinheit ohne Entsprechung im Denken. Wer lange genug damit arbeitet, plant seinen Tag in dieser Größe. Der Skill ist dieselbe Bewegung eine Ebene höher: eine Verpackung, die Agentensysteme brauchen und die wir übernehmen, weil sie zur Hand ist.
Was sich nicht schneiden lässt, verschwindet. De la Croix, Peters und Laughey zeigen es an der Empathie: Skillifiziert wird aus ihr eine Verhaltens-Checkliste.
Diese Einträge entstehen selbst über Skills, und wir haben die Sache zuerst Verskillifizierung genannt, halb im Spott. Der Nutzen ist echt — was einmal sauber abgelegt ist, muss nicht neu gedacht werden. Der Preis fällt später an: Urteil, Zweifel und Kontext lassen sich nicht als Skill anlegen, und was keine Ablage hat, verliert im eigenen Kopf an Gewicht. Metacognitive Laziness beschreibt, wie das ausgeht, Wissensinflation, warum ausgerechnet das Urteil knapp wird.